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„Echt krass“ zeigt Grenzen auf

Eröffnung der interaktiven Ausstellung vor geladenen Gästen aus dem Landratsamt, der Jugendhilfe und den Schulen. Bildnachweis: Arndt Pröhl
Eröffnung der interaktiven Ausstellung vor geladenen Gästen aus dem Landratsamt, der Jugendhilfe und den Schulen.

Eigene Grenzen setzen, die anderer respektieren und bei Überschreitungen richtig reagieren: Das ist die Zielsetzung der interaktiven Ausstellung „Echt krass“, die bis Ende Oktober in der Realschule Bad Tölz zu sehen ist. Sie richtet sich an Jugendliche ab der achten Klasse und thematisiert sexualisierte Gewalt, vor allem unter Gleichaltrigen. Am Dienstag wurde der Präventionsparcours offiziell durch den Dritten Landrat Klaus Koch, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Felicitas Wolf, und Realschulleiter Klaus Förster eröffnet. 

„Sexuelle Gefährdungen vor allem unter Jugendlichen ist ein großes Alltagsthema an Schulen“, sagte Klaus Koch, selbst Schulleiter der Marie-Luise-Schultze-Jahn-Schule in Bad Tölz. Er sehe die Ausstellung als wichtige Präventionsmaßnahme, die Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen sensibilisieren soll. 

Für Schulleiter Klaus Förster ist „Echt krass“ eine sinnvolle Ergänzung des bereits bestehenden pädagogischen Schulkonzepts gegen Ausgrenzungen, Mobbing und Gewalt. „Prävention gegen sexuelle Konflikte unter Gleichaltrigen ist hier ein zusätzlicher Baustein.“ 

Das sieht die Gleichstellungsbeauftragte Felicitas Wolf ähnlich. „Es ist wichtig und richtig, die Lehrkräfte mit in die Verantwortung zu nehmen. Jugendliche halten sich einen großen Teil des Tages in der Schule auf. Daher passieren auch gerade in diesem Rahmen die Übergriffe“, erklärt sie. „Die Ausstellung kann von Schulklassen aus dem Landkreis besucht werden, das geschieht nur in Begleitung von Lehrerinnen und Lehrern, die davor eine entsprechende Fortbildung besucht haben.“ Organisiert und finanziert ist die aus Kiel gelieferte Wanderausstellung des Petze-Instituts vom Gesundheitsamt, dem Jugendamt und der Gleichstellungsstelle des Tölzer Landratsamtes. Die Realschule Bad Tölz stellt den Platz zur Verfügung. Bereits 600 Schüler aus dem Landkreis sind für einen Besuch angemeldet. 

Femke Hardt vom Jugendamt dankte Klaus Förster für das Bereitstellen der Räumlichkeiten. „Ein entsprechendes Schutzkonzept gegen sexuelle Gewalt an Schulen ist noch nicht verpflichtend. Umso lobenswerter ist es, dass Sie in dieser Hinsicht Vorreiter sind. Das ist ein Meilenstein, um Prävention salonfähig zu machen.“ „Echt krass“ ist zum ersten Mal im oberbayerischen Raum ausgestellt. 

Felicitas Wolf ist vom interaktiven Faktor überzeugt. Die Ausstellung vermittelt über Hörstationen, Videos, Bilder und begehbare Installationen, wie sich grenzverletzendes Verhalten anfühlt und wo eigene und fremde Grenzen verlaufen. Dazu gibt es die fünf Stationen „Sex sells“, „Trial and Error“, „Stop and Go“, „Love and Hate“ und „Law and Order“. 

Die Station „Sex sells“ thematisiert sexistische Werbung, Pornografie und Übergriffe im Internet. Hier können die Besucher beispielsweise einschätzen, welche Darstellungen von Nacktheit und Körpern in Werbung und dem Internet, sie als „okay“ oder „uncool“ bewerten. Dabei sind Bilder von Frauen in Badekleidung bis zu pornografischen Darstellungen auf Kalendern gezeigt. 

Die Station „Law and Order“ legt Mythen und Tatsachen über Sexualstraftaten offen. „Trial and Error“ befasst sich mit Flirtverhalten, während „Love and Hate“ sich mit Beziehungen, Gruppenzwang, und sexualisierter Gewalt durch Erwachsene befasst. 

Die Station „Stop and Go“ deckt Klischees auf und stärkt das Wahrnehmen eigener und anderer Grenzen. Dabei können die Besucher unter anderem eine Kabine betreten, in der von sämtlichen Richtungen künstliche Hände und Arme ausgestreckt sind. Man begibt sich so in eine künstliche Situation, in der man ungewollt angefasst wird. „Die Ausstellung hat definitiv sehr mutige Elemente. Ich war in der Kabine und fand es wirklich krass“, sagte Wolf. „Es ist daher unumgänglich, dass eine ausgebildete Begleitperson immer anwesend ist.“ FELICITAS BOGNER 

Virtueller Rundgang: Einen Einblick erhalten Interessierte im virtuellen Rundgang auf https://petze-institut.de/projekte-ausstellungen/echt-krass/ 


Quellenangabe: Tölzer Kurier (TK) vom 17.10.2025, Seite 40